Gastbeitrag: Auftaktveranstaltung zu demokratie.io

Das ist ein Gastbeitrag von Andrea. Hierbei handelt es sich um eine persönliche Meinungsäußerung.

Ich habe im Auftrag des Demokratielabor e.V. am 6.12.2017 die Auftaktveranstaltung zu demokratie.io besucht.

Was ist „demokratie.io„?

demokratie.io ist ein Projekt des betterplace.lab (ein „digital-soziales Think-and Do-Tank“, zu betterplace.org gehörend). Förderer sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ und die Robert-Bosch-Stiftung.

Es handelt sich um einen Ideenwettbewerb in zwei Förderzyklen, eingereicht werden können gemeinnützige Projekte, mit denen innovative digitale Ideen für die Stärkung von Demokratie umgesetzt werden sollen.

Derzeit läuft der erste Förderzyklus. Eingereicht wurden über 50 Projekte; zehn Ideen kamen in der Endrunde, fünf Preisträger wurden daraus ermittelt, die jeweils eine Förderung in Höhe von EUR 20.000 erhalten. Die Projekte werden nicht nur mit Geld gefördert, sondern über den Realisierungszeitraum mit Qualifizierungsmaßnahmen etc. begleitet.

Ziel des Wettbewerbes ist es, Digitalisierung und Demokratie zu fördern, Akteure zu stärken und zu vernetzen. Die Projektfortschritte werden über die Website demokratie.io zu verfolgen sein; der jeweilige Projektname wird als Blogname verwendet, unter dem die Gewinnerprojekte selbst bloggen werden, um ihr Wissen nach außen zu geben.

Am 6.12.2017 fand die Auftaktveranstaltung in Berlin statt, die zur Vorstellung der Gewinner-Projekte und zur Vernetzung der Interessierten dienen sollte.

Auftaktveranstaltung am 06.12.2017 im Einstein-Center in Berlin

In der Einführung wies die Eröffnungsmoderatorin bereits darauf hin, wie seltsam es doch sei, 2017 in Deutschland immer noch über „Innovationen“ im Zusammenhang mit der Förderung von digitaler Demokratie zu sprechen.

Und genau so kam mir die Veranstaltung zumindest in der Zeit, in der ich teilnahm, auch vor: seltsam angestaubt. Menschen, die sich mit dem Thema Digitalisierung und Demokratie seit mehreren Jahren befassen, fanden nichts grundlegend Neues. Es gab keine Diskussionen über Änderungen demokratischer Prozesse oder ähnliches, sondern im Endeffekt ging es bei den meisten Projekten, die auf der Veranstaltung vertreten waren, darum, Vorhandenes digital abzubilden, grafisch zu verschönern, Reichweite für politische Botschaften zu erhöhen.

Zwischen den Akteuren und den Förderern scheinen Welten zu liegen; so forderte der Vertreter der Robert-Bosch-Stiftung z.B. auf, „das Wirkungsspektrum von der Digitalisierung der wirtschaftlichen Prozesse in die Zivilgesellschaft zu übertragen“ und übersah offensichtlich, dass er es bereits mit Akteuren der Zivilgesellschaft zu tun hatte.

Aus meiner Sicht ist es sehr schade, dass jede Förderinitiative scheinbar wieder ganz am Anfang anfängt, anstatt Ideen anderer Veranstaltungen aufzugreifen und weiterzufördern.

Aber jetzt zu den Gewinnerprojekten (in der Reihenfolge der Präsentation):

FragDenStaat für Nichtregierungsorganisation

Der Inhalt des Projektes ist der Aufbau einer Plattform für und der Wissenstransfer an Nichtregierungsorganisationen und Vereine, damit deren Mitglieder oder andere Interessierte Anfagen nach dem Informationsfreiheitsgesetz stellen können.

Damit könnten zum einen Themenarchive „befreit“ werden und die Zusammenarbeit der Organisationen mit ihren Aktiven könnte vertieft und verfestigt werden (gemeinsames Arbeiten mit den Daten – Klassifizieren, Recherchieren etc. – direktes Einbinden in die Prozesse, da Fragesteller die einzelnen Personen, nicht die NGOs sind).

Aula – Schule gemeinsam gestalten

Das Projekt „Aula“ ist ein digitales Beteiligungskonzept, das Schülerinnen und Schülern aktive Mitbestimmung an ihren Schulen ermöglicht.
Grundlage ist das Konzept der liquiden Demokratie.

Im Rahmen des Förderprojektes soll eine Aula-App entwickelt werden. Das sei ein vielfach geäußerter Wunsch von Schülern, die sich Beteiligung per App statt per Website wünschen, weil es eher ihren Gewohnheiten entspricht.

Un/Sichtbares Jena

In diesem Projekt von Offenes Jena und witelo (wisschenschaftlich-technische Lernorte in Jena) geht es darum, dezentrale nutzergrupppenspezfische Mängelmelde-APIs innerhalb der Stadt zu vernetzten und Anliegen systematisch zu erfassen. Dabei sollen kollaboratives und partizipatives Handeln ermöglicht und möglichst viele Akteure einbezogen werden (z.B. über Challenges „Mängel entlang meines Schulwegs“ etc.).

Democracy App

Der gemeinnützige Verein „Democracy e.V.“ hat zum Ziel, in einer App die im Bundestag zu bearbeitenden Themen vor der Abstimmung aufzubereiten und zur Diskussion und Abstimmung zu stellen.
Dabei sollen das gesellschaftliche Interesse geweckt und politische Bildung gefördert werden.

DIGI.DEM.CITIES – Mapping Cities of Change

Mit dieser Plattform sollen Projekte, die mit digitaler und partizipativer Demokratie in europäischen Städten experimentieren, sichtbar gemacht und deren Akteure vernetzt werden.

Ich bin gespannt, wie sich die geförderten Projekte entwickeln, welche Erfahrungen allgemeingültig weitergegeben werden können, wie sich die Akteure vernetzen und ob es im Rahmen der Projektförderung gelingt, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit besser zu erreichen als z. B. mit einem Hackathon .

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