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9. November 2014

Das ist ein Gastbeitrag von Andrea; hierbei handelt es sich um eine persönliche Meinungsäußerung.

In Thüringen wurde im Herbst der Landtag demokratisch neu gewählt, hier die sachliche Zusammenfassung:

http://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswahl_in_Thüringen_2014

Es ist vollkommen klar, dass nicht jeder Mensch dieses Wahlergebnis gut findet, ich selbst bin davon auch nicht wirklich begeistert. Aber eines ist auf jeden Fall korrekt: dieses Wahlergebnis ist auf demokratischem Weg, unter den heute zugrunde liegenden Bedingungen zustande gekommen. Es repräsentiert den „Volkeswillen“ (sofern es so etwas gibt).

Parteien standen in Koalitionsverhandlungen, nach einem Mitgliedervotum innerhalb der SPD besteht die Möglichkeit einer rot-rot-grünen Koalition mit einem Ministerpräsidenten aus der Partei DIE LINKE.
Kann man sehen, wie man mag: unter den heute zugrunde liegenden Bedingungen in einer Vertreterdemokratie ist das so korrekt. Wir haben gewählt, die Verantwortung an Vertreter abgegeben und die entscheiden jetzt, wie es weiter geht. Ich finde das nicht schön, ist aber so und interessiert ansonsten auch fast niemanden.

Bis auf jetzt. Wo es um eine ins Haus stehende rot-rot-grüne Koalition geht. Da kommt jemand auf die Idee, unter dem Slogan „Wir sind das Volk“ gegen die Wahlentscheidung zu protestieren.
Soweit auch noch so gut. Eigentlich unterstützenswert, diese Eigeninitiative.
Wenn diese Symbolik nicht wäre:

https://www.facebook.com/events/391141104370634/

Und wenn sich nicht demokratisch gewählte Volksvertreter dieser Veranstaltung umgehend angeschlossen hätten.

Der 9. November wird von einigen Historikern als „Schicksalstag“ gekennzeichnet:

http://de.wikipedia.org/wiki/9._November_(Deutschland)

Ich finde es unerträglich, dass ausgerechnet an diesem Tag ein Bündnis aus offensichtlich wohlmeinenden Menschen, Bürgerrechtlern, CDU, AfD und Neonazis gemeinsam gegen das bestehende demokratische System protestiert.

Zusammenfassend:
In Erfurt verwandeln die Anhänger der Vertreterdemokratie den Domplatz ausgerechnet am 9.11. in ein Lichtermeer, weil sie mit den Ergebnissen und den Entscheidungen der demokratisch gewählten Vertreter nicht leben können.

Ich werde heute Nachmittag/Abend auf dem Domplatz Flyer für unsere Beteiligungsplattform verteilen und versuchen, mit Besuchern der Demonstration über Demokratieformen ins Gespräch zu kommen.

Falls aufgrund dieser Flyer jemand hier ankommt: Herzlich Willkommen – zögern Sie nicht, mit uns in Kontakt zu treten und Ihre Fragen zu stellen.

Andrea

Ergänzung:
Das Märchen vom Schicksalstag – Beitrag von Heidi Tworek und Thomas Weber, FAZ vom 8.11.2014

Nachtrag:
So sah das dann am 9.11. auf dem Domplatz aus – Video by D. Warnecke, via youtube